12.11.2009  07:30 Uhr

Interview der Woche
„eCommerce ist aus dem Handel nicht mehr wegzudenken“ – Interview mit Konstantin Waldau (Atrada AG)

Mittelfranken. Im Norden Nürnbergs, ganz in der Nähe von Flughafen und Marienbergpark, ist Frankens geballte eCommerce-Kompetenz zu Hause. Seit über 10 Jahren betreibt die Atrada AG Marktplätze im Internet und sorgt für die technische Umsetzung und Betreuung von eCommerce-Angeboten.

mittelfranken. business-on.de: Herr Waldau, wie haben Sie es mit Atrada geschafft, sich vom eher kleinen Marktplatz im Internet zu einem ganzheitlichen Anbieter für eCommerce zu entwickeln?

Konstantin Waldau: Mit dem Aufkommen der ersten Internet Marktplätze ab 1997/98 waren wir neben Ricardo und Alando einer der Pioniere unter den Marktplatzbetreibern. Im Jahre 2000 haben wir eine strategische Zäsur vollzogen und konzentrieren uns seitdem mehr auf unsere Wurzeln, die in der technischen Umsetzung und Betreuung von eCommerce-Projekten liegt. 

mittelfranken.business-on.de: Wie verlief der Weg von einem Spin-Off der Universität Erlangen zu einer heute hundertprozentigen Telekom-Tochter?

Konstantin Waldau: Am Institut für Wirtschaftsinformatik unter Prof. Mertens haben sich zunächst ein paar Doktoranden und Mitarbeiter zusammengetan, die Internet-Angebote für den Mittelstand schaffen wollten. Dann erfolgte recht schnell die Gründung. Die Telekom ist im Jahr 2000 eingestiegen, seit 2001 sind wir eine hundertprozentige Konzerntochter. Das ist für uns gut, denn das „T“ öffnet Türen und steht für Verlässlichkeit und Seriosität. Ich bin aber besonders stolz, dass wir uns eine gewisse Selbständigkeit immer bewahren konnten. Wir denken hier wie der Mittelstand.

mittelfranken.business-on.de: Was verbirgt sich hinter Ihrem Angebot des „Managed eCommerce“?

Konstantin Waldau: Das hat sich aus unserer Geschichte entwickelt, denn wir waren ja auch einmal selbst Betreiber eines Marktplatzes. Im Haus ist sehr viel Know-how vorhanden und wir nutzen beispielsweise Technik, die wir selbst entwickelt haben. Durch unsere Erfahrung können wir den Kunden auf Probleme oder künftige Aufgaben aufmerksam machen und fragen: ‚Hast du daran gedacht?‘ Das geht dann von der Rechnungsstellung über das Markenrecht bis hin zur Produktentwicklung bei transaktionsorientierten Internet-Portalen. Kurz, wir unterstützen Kunden, bei ihren ersten Schritten im eCommerce, indem wir schnell lauffähige Systeme bereit stellen und in Folge alle damit verbundenen Prozesse über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg managen.

mittelfranken.business-on.de: Was waren aus Ihrer Sicht die größten Veränderungen im eCommerce der letzten zehn, 15 Jahre?

Konstantin Waldau: eCommerce ist sicherlich kein Hype oder Trend mehr, sondern ein Element, was für Kunden und Händler mittlerweile nicht mehr wegzudenken ist. Heute tangiert eCommerce nicht mehr nur einen kleinen elitären Kreis, sondern alle. So wird ein klassischer Mittelständler über einen professionellen Online-Handelsauftritt zum Global Player.

mittelfranken.business-on.de: Analysen sagen dem eCommerce ein weiteres Wachstum voraus. Welche Branchen könnten davon profitieren?

Konstantin Waldau: Zuallererst sind das jene Branchen, die sich auf die kaufkraftstarke Gruppe der 35- bis 55-Jährigen konzentriert. Für diese Altersgruppe ist das Internet nichts Ungewöhnliches mehr und auch als Rentner werden sie sich noch völlig selbstverständlich darin bewegen. Das schafft branchen-– und produktübergreifend Möglichkeiten , maßgeschneiderte Angebote zu entwickeln, etwa hin bis zum Lebensmitteleinzelhandel. Schon heute kann ich mir über das Netz mein eigenes Unterhaltungsprogramm zusammenstellen, warum nicht auch schon bald das persönliche Konsumprogramm?

mittelfranken.business-on.de: Welche Rolle spielt das Web 2.0 in den von Ihnen betriebenen Portalen wie Musicload oder dem Cinemaxx-Ticketportal?

Konstantin Waldau: Der so genannte „Social Commerce“ ist für uns nicht ganz neu. Wenn wir uns die Definitionen anschauen, landen wir schnell wieder bei den alten Internet-Marktplätzen der 90er, wo die Nutzer sich gegenseitig bewerten und Informationen austauschen konnten. Durch die rasante technische Entwicklung vom Modem zum Breitband kann natürlich viel dynamischerer Content angeboten werden. Ansonsten ist das Web 2.0, so zumindest meine Überzeugung, alter Wein in neuen Schläuchen.

mittelfranken.business-on.de: Welche Rolle spielt der Standort Nürnberg für die Atrada AG?

Konstantin Waldau: Aufgrund der Nähe zur Universität haben wir Zugang zu hochqualifizierten Absolventen aus technischen Fakultäten, von denen wir pro Jahr ein bis zwei einstellen. Außerdem ist die Anbindung an andere Metropolen gut. Und auch die fränkische Mentalität kommt uns sehr entgegen: Ein Großteil unserer 30 festen Mitarbeiter und der 20 Freelancer schätzen die Vorzüge der Region sehr und sind dem Standort Nürnberg äußerst verbunden. Unsere Fluktuation geht deshalb gegen Null, nicht zuletzt auch wegen des guten Betriebsklimas. Wir duzen uns alle und meine Tür steht immer offen.


 

(Redaktion)

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Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Atrada AG

 


 

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